Grenzen
KI-Killefitz erkennen: Woran du Hype-Angebote erkennst
Hype-Angebote erkennst du an Prozentversprechen, Bußgeldangst, Provision, großen Worten statt Aufgaben und einer vagen Datenfrage. Sieben Warnzeichen.
Veröffentlicht am 16. Dezember 2025
Auf einen Blick
- Killefitz ist rheinisch für Schnickschnack. Bei KI: alles, was beeindruckt und nichts bringt.
- Warnzeichen: Prozentversprechen, Bußgeldangst, Werkzeugverkauf mit Provision, pauschal „DSGVO-konform“.
- Wer nicht nach deinem Alltag fragt, kann nicht wissen, ob sich KI für dich lohnt.
- Ein ehrliches Angebot enthält immer auch, was sich nicht lohnt.
Kurz gesagt: KI-Killefitz erkennst du an sieben Zeichen. Jemand verspricht dir Zeitersparnis in Prozent. Jemand macht dir Angst mit Bußgeldern oder mit „wer nicht mitmacht, verliert“. Das Angebot kommt mit einem bestimmten Werkzeug, an dem der Anbieter mitverdient. Die Datenfrage wird mit „DSGVO-konform“ abgeräumt statt beantwortet. Es geht um Strategie und Transformation statt um zwei, drei Aufgaben aus deinem Alltag. Niemand fragt, was ihr eigentlich macht. Und es fehlt der Teil, in dem steht, was sich für dich nicht lohnt. Killefitz ist rheinisch für Kleinkram, Schnickschnack, unnötiges Zeug. Bei KI ist es alles, was beeindruckt und nichts bringt.
Prozentversprechen und andere Zahlen ohne Herkunft
„Spart X Prozent Zeit im Büro.“ Woher soll die Zahl kommen? Sie hängt von der Aufgabe ab, vom Prüfaufwand, davon, wie geübt die Person am Werkzeug ist. Ein Anbieter, der sie nennt, bevor er deinen Betrieb gesehen hat, hat sie sich ausgedacht oder aus einer Studie zu ganz anderen Betrieben übernommen. Wir nennen keine solche Zahl, und warum, steht in Warum wir keine Zeitersparnis in Prozent versprechen. Dasselbe gilt für Kundenstimmen ohne Namen und Studien ohne Quelle.
Angst als Verkaufsargument
Die KI-Kompetenzpflicht aus Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Sie verlangt Maßnahmen, die zu Rolle und Einsatz passen. Sie schreibt kein Zertifikat vor, keine Form, und Artikel 99 kennt für sie kein eigenes Bußgeld. Wer dir trotzdem eine Bußgeldhöhe nennt oder ein Pflichtzertifikat verkauft, verkauft Angst. Dasselbe gilt für Sätze wie „Wer jetzt nicht einsteigt, ist in zwei Jahren weg“. Das weiß niemand. Ein Nachweis für die Schulung ist trotzdem sinnvoll, weil Aufsichtsbehörden danach fragen können. Das ist unsere praktische Einschätzung, keine Rechtsberatung. Bei Unsicherheit entscheidet dein Anwalt oder Datenschutzbeauftragter.
Das Werkzeug steht vor der Frage
Wenn das Angebot schon weiß, welches Werkzeug ihr braucht, bevor jemand eure Aufgaben kennt, ist es Vertrieb, kein Rat. Häufig steckt eine Partnerschaft dahinter: Der Anbieter bekommt Provision auf Lizenzen oder verkauft sie selbst. Das ist nicht verboten, aber du solltest es wissen, weil die Empfehlung dann nicht nur dir gehört. Frag direkt: „Verdient ihr an dem Werkzeug mit?“ Die Antwort sollte ein Satz sein.
„DSGVO-konform“ als Antwort auf alles
Kein Werkzeug ist für sich genommen konform oder nicht. Es kommt darauf an, was ihr hineingebt, in welchem Tarif, mit welchem Vertrag. Personenbezogene Daten in ein KI-Werkzeug zu geben ist eine Verarbeitung, braucht eine Rechtsgrundlage und bei fremden Anbietern einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Kostenlose Versionen haben in der Regel weder Vertrag noch Trainingsausschluss. Wer dir sagt, das Werkzeug sei „DSGVO-konform, alles geregelt“, hat die Frage nicht verstanden oder will sie nicht beantworten. Ein ehrlicher Anbieter fragt zurück: Welche Daten sollen hinein? Die Einzelheiten dazu stehen in DSGVO und KI.
Große Worte statt kleiner Aufgaben
„KI-Strategie“, „digitale Transformation“, 80 Folien mit Roboterbildern. Für einen Betrieb mit zwölf Leuten ist das Killefitz. Was du brauchst, sind zwei bis drei Aufgaben, bei denen KI im Alltag Arbeit abnimmt, ein Werkzeug, das morgen läuft, und eine Regel auf einer Seite. Wer dir das Große verkauft, hat sich das Kleine nicht angesehen.
Daran erkennst du das nächste Zeichen: Niemand hat gefragt, was ihr macht. Wie euer Tag aussieht, wo Texte entstehen, wer sie schreibt, welche Daten fließen. Ohne diese Fragen ist jede Empfehlung geraten, egal wie gut sie klingt.
Der fehlende Absatz
Das verlässlichste Zeichen ist ein fehlender Teil. Ein ehrliches Angebot enthält immer auch, was sich für dich nicht lohnt: die Idee, die gestrichen wurde, der Fall, in dem eine Word-Vorlage reicht, die Aufgabe, die wegen der Daten nicht geht. Wenn im Angebot alles möglich ist und alles sich lohnt, ist es kein Rat. Die vier Fälle, in denen wir abraten, stehen in Wo KI dir nichts bringt.
Was wir selbst machen
KI ist bei uns seit Jahren tägliches Werkzeug, mit einer Regel, die wir selbst geschrieben haben: keine Kundendaten in fremde Systeme, alles wird gelesen, Kennzeichnung nach Regel. Wir verkaufen keine Lizenzen und bekommen keine Provision. Unsere KI-Orientierung endet mit einer schriftlichen Empfehlung, in der die gestrichenen Ideen mit Begründung stehen. Wenn die Antwort „vorerst nichts“ lautet, steht das so drin. Ohne Killefitz.